Wie werden elternlose Igeljunge großgezogen?




Die Aufnahme

Falls auch nach mehreren Stunden nach Bemerken der Igelchen kein Muttertier beobachtet werden kann, das sich um die Babys kümmert, müssen die  Tierkinder eingesammelt und behutsam getrocknet werden, wenn sie durch Regen nass geworden sein sollten.

Sie werden mitsamt einer handwarmen Wärmeflasche, die durch ein Handtuch umwickelt ist, in eine kuschelige Kiste gelegt.

Rat bei einem Tierarzt, Tierschutzverein oder einer Igelberatungsstelle einholen, was zu tun ist.

Man benötigt  Einfühlungsvermögen, viel Zeit, Geschicklichkeit und Glück, um Igelbabys großzuziehen.

Igelbabys brauchen Nestwärme. Vorschlag: flauschiges Nest in einem Wäschekorb bauen und darüber eine Rotlichtlampe hängen, die mit einem Dimmer heruntergedimmt wird. Im Focus darf höchstens eine Temperatur von 20 - 24 °C herrschen. Die Igelchen können sterben, wenn es zu warm ist. Man kann auch mit umwickelten Wärmflaschen arbeiten.


Die Nahrung

Sind die Augen noch geschlossen, ist noch kein Bauchfell vorhanden und das Gewicht beträgt um die 40 Gramm, kann man daraus schließen, dass sie zwischen einer und zwei Wochen alt sind.
 
Es muss eine Igelersatzmilch angefertigt werden. Um hier nichts falsch zu machen, lesen wir uns nochmals das Kapitel „Milchersatz für Igelsäuglinge“ im Buch „Die Ernährung des Igels“ von Susanne Struck und Helmut Meyer, welches 1998 im Verlag „Schlütersche GmbH & Co. KG“ in Hannover erschienen ist, durch.
 
Auf keinen Fall Kuhmilchprodukte verwenden!
 
Wir benutzten folgendes Igelersatzmilchrezept, welches die erfahrene Igelexpertin Monika Neumeier entwickelte und am 11.07.1995 in einem Rundbrief veröffentlichte und welches wir in dem schon erwähnten Buch von Struck und Meyer fanden:
76 g Wasser oder Fencheltee
14 g Esbilac® (Hundewelpenaufzuchtpräparat, welches beim Tierarzt erhältlich ist)
8 g Eiweißkonzentrat, Protein 88 ( Wander GmbH, Osthofen; i.d. Apotheke erhältlich)
4 g Pflanzenöl

Dieses Gemisch wird den Kleinen nun handwarm ca. alle 2 - 3 Stunden verabreicht. Solange sie unter 100 Gramm wiegen, gibt man täglich etwa um die 10 - 20 g. Das Igelchen sollte etwa 25 % seiner Körpermasse täglich an Nahrung bekommen (falls man das o.g. Igelmilchrezept nach Frau Neumeier verwendet).

Man nimmt das Igelchen in die linke Hand. Die Stacheln liegen in der Handinnenseite. Der Bauch des Igels ist zu sehen. Man bemüht sich, dass der Igel nicht in Rückenlage gerät. Sein Köpfchen soll senkrecht sein und sein Mäulchen waagerecht, so dass seine Nase auf uns zeigt. So kann er sich bei der Milchaufnahme nicht verschlucken (siehe Bild!).

Mit Daumen und Zeigefinger fixiert man ganz vorsichtig das Köpfchen. Mit etwas Übung schafft man es, das Igelchen mit der linken Hand (falls man Rechtshänder ist; Linkshänder machen es wahrscheinlich genau umgekehrt) so zu halten, dass es mit seinen Vorderbeinchen in der ihn umschließenden Hand an Zeige- und Ringfinger den „Milchtritt“ ausführen kann. Dies erleichtert die Fütterung sehr - der Igelsäugling schwebt bei der Nahrungsaufnahme im siebten Himmel. Mit der rechten Hand führt man eine 5-ml-Spritze gefüllt mit der Igelersatzmilch an das Mäulchen des Igels und gibt ein Tröpfchen aus der Spritze frei. Wenn das Igelchen nun sein Maul öffnet, kann man vorsichtig tröpfchenweise mehr Nahrung auf die Zunge geben. Aber immer nur so viel, wie unser Schützling schlucken kann. Er sollte sich nicht verschlucken.

Es ist ratsam, zunächst mit warmen Fencheltee Schluckübungen mit dem Igelchen durchzuführen. Es nicht sinnvoll, wenn die Hälfte der Nahrung am Maul vorbei ins Fell läuft. Wer schon einmal ein Katzenjunges von Hand großgezogen hat, der kennt in etwa die Handhaltung bei der Fütterung. Zum Thema Nuckelflasche muss ich ganz persönlich sagen, dass es mir noch nicht gelungen ist, dass ein Igeljunges von mir so Nahrung aufnehmen konnte. Entweder passen die Nuckel nicht oder das Saugverhalten des Igels passt nicht zu den zur Verfügung stehenden Fläschchen. Außerdem weist Frau Neumeier in ihrem 1995 im „Igelbulletin“(dem Presseorgan von Pro Igel e.V.) erschienen Aufsatz „Die Aufzucht von verwaisten Igelsäuglingen“ darauf hin, dass die Gefahr des Verschluckens bei Fläschchenfütterung sehr groß sei. Dabei, so Frau Neumeier, könnten Partikel der Ersatzmilch in die Lunge gelangen und schwere Lungenentzündungen hervorrufen.

zurück

Design: Bluesman Art Studios ©