Jakob Brems Igelmärchen

Zwei Igel trippelten durch buntes Laub, standen bald an einem Strassenrand.
„He, Achttausendfünfhundertsechundvierzigpünktchen“, kichert Zehntausendneunhundertsieben-undachtzigpünktchen, „hast du`s auch in deinem Näschen?“
„Was, Zehntausendneuhundertsiebenundachtzigpünktchen?“
„Frag nicht so blöd; Tomatenduft:“
„Tomatenduft? Jetzt wo du`s näselst, schleicht`s auch um meineStacheln herum., aber viel leckerer wären die zwei Weinbergschnecken, die schnurgerade auf die andere Strassenseite zu schleichen.“
„Wau, wenn das nicht Himmel auf Erde bedeutet, so kurz vor dem Winterschlaf. Los, worauf warten wir noch?“
Stopp, du Blödschatz, hast du ein Blechhaufenhirn?“
„Sag das nicht noch einmal, wenn du im nächsten Frühling wieder mein Schatz werden willst.“
„Eben darum sag ich`s. Merkst du nicht, wie deine Stachelspitzen vibrieren? - nicht einrollen! -, zurück mit dir!“
„Hu, das war knapp Schatz. Hör mal, wie mein Herz pocht.“
„Denkst du, ich habe jetzt Lust, einem kugelrunden Mückenhirnblödling meine zarten Öhrchen an die Stacheln zu legen? Ich übernehme jetzt die Verantwortung für uns zwei und du gehorchst. Ist das klar, Mann?“
„Wenn es die Mutter meiner Kinder sagt, klar.“
„Also, wir beide straffen unsere Stacheln. Kannst du irgend ein Vibrieren spüren?“
„Nein, kein einziges Vibrierchen.“
„Gut, dann spann ich meine Beinchen. Wenn du immer noch kein Vibrierchen spürst, lege ich los. Auf dem Mittelstreifen stopp ich dann. Vibriert bei dir dann immer noch keine einzige Stachel, wirf mir einen Schrei nach, genau so, wie du es beim Kindermachen getan hast. Aber nur einen einzigen Schrei.

Kommt ein plötzliches Vibrieren in deine blöden, ich meine, in deine Stacheln, dann schrei los, als wolltest du tausend Kinderlein machen.“
„Aber Schatz, ich bin jetzt doch viel zu dick für das Kinderleinmachen. Wir müssen zuerst schlafen.“
„Du sollt keine Kinderlein machen, nur schreien sollst du, so oft und so stark wie beim Kinderleinmachen. Hast du jetzt kein Vibrieren in den Stacheln?“
„Nein, nichts von Vibrieren, doch nicht im Herbst!“
„Also, ich zisch los.“
„Die Frauchen heutzutage! Jetzt sollten wir arme Männchen auch noch im Herbst Kinderchen machen. Wenn das nur gut geht mit meinem lieben Schatz. Die hat einen drauf. Sie ist schon bald beim Mittelstreifen. Was muss ich tun, wenn sie beim Mittelstreifen angelangt ist?

Aha, die Stacheln spitzen. Es vibriert nichts, Schatz, du kannst weiter trippeln. „
„Blödmann, einmal schreien habe ich gesagt.“
„Ich kann nicht schreien, Schatz, geh weiter. Ich kann nur schreien wenn es Frühling ist.“
„Dann ist es eben Frühling, aber schrei endlich und lauf dann hinter mir nach wie im Frühling.“
„Ja, Schatz, ich schreie Frühling und lauf hinter dir her.“

„Er kommt, der Blödmann, wau, so schnell. Ich tripple weiter zum Garten. - Nein, ein Blechhaufen zischt heran. Schatz, zurück, zurück! Nein, jetzt schreit er wie im Frühling. Wenn das nur gut...vorbei. Der Blechhaufen Schatz, lebst du noch,.... Schaatz!“
„Hab ich gut geschrieen?“
„Da bist du ja, Igelgeist sei dank!“


Kontakt zu Jakob Brem:
brem@belletristik.ch und http://www.belletristik.ch

zurück